Text: H. Birkenheuer
Grafik und Fotos: H. Birkenheuer


8.1 Handhabung der Zelte

Die kleinste Einheit einer römischen Legion war das CONTUBERNIUM ( eine Zeltgemeinschaft ). In Marsch- oder Feldlagern teilten sich acht Legionäre die Unterkunft in einem 10 x 10 Fuß ( 3 mal 3 Meter ) großen Lederzelt. Die Stehhöhe dieser Mannschaftszelte schwankt zwischen 4 bzw. 5 röm. Fuß. Das entspricht einer Höhe von 1,2 bis 1,5 Meter.
Die Mannschaftszelte waren ausschließlich aus Leder gefertigt. Man benötigte für die Herstellung eines Zeltes ( PAPILIO ) die Häute von 72 – 74 Ziegen oder von 36 Kälbern. Das bedeutete, dass für eine Ausrüstung der Mannschaft einer Legion rund 45.000 Ziegenfelle notwendig waren. Zahlreiche Fragmente von Lederzelten sind erhalten geblieben, so dass man die mögliche Form eines Mannschaftzeltes rekonstruieren kann, auch wie sie wasserdicht vernäht wurden.
Ein lederndes Mannschaftszelt mit Zubehör ( Bodenanker, Zeltstangen, Spannschnüre und Zeltsack ) wog ca. 40 Kg und konnte nur von einem Esel oder Muli transportiert werden. Um die Lederzelte vor Feuchtigkeit zu schützen, mussten sie stetz gut eingefettet werden. Da während des Marsches immer größere Mengen an Olivenöl mitgeführt wurden, kann man davon ausgehen, dass zum Schutz vor Feuchtigkeit die Zelte auch mit Olivenöl eingefettet wurden.

Die Zelte der Centurionen waren größer, hatten flachere Dächer die aus zusammengefügten Lederbahnen bestanden. Die Grundflächen betrug 16 x 16 röm. Fuß, das entspricht 4,8 mal 4,8 Meter. Die Kommandantenzelte hatten Stehhöhe und ihre Seitenteile könnten wegen des Gewichtes auch aus Textilien bestanden haben.
Von noch größeren Kommandantenzelten gibt es keine verbindlichen Angaben. Man nimmt an, dass diese Zelte ähnlich wie die Centurionenzelte beschaffen waren. Ihre Grundflächen könnten 24 mal 24 röm. Fuß ( 7,2 mal 7,2 Meter ) gehabt haben. Es gibt aber auch Angaben, dass es Kommandantenzelte mit 14 Meter Seitenlänge gegeben hat. ( *3 ) Junkelmann)

8.1.2 Handhabung eines Manschaftzeltes

8.1.2.1 Transport eines Mannschaftzeltes
Ein Mannschaftszelt eines Contuberniums war zu schwer, dass es von einer Person auf einem Marsch getragen werden konnte. Deshalb trug das zugehörige Tragtier das aufgerollte Zelt mit Firststange und Schanzpfähle ( Pila Muralia ). Zelt und Schanzpfähle mußten auf dem Tragtier so verstaut werden, dass die Sicht des Tieres nicht behindert wurde.

Beladenes Tragtier während des Marsches.

Historischer Marsch römischer Legionäre über die Alpen
30. April 1985
- MVLI MARIANI - Gruppe Marcus Junkelmann -

8.1.2.2 Aufbau eines Mannschaftzeltes
Für den Aufbau eines Mannschaftzeltes waren 3 bis 4 Personen erforderlich. Man begann mit dem Auspacken und Ausrollen des Zeltes und dem Zusammenfügen der Firststangen-Konstruktion. Dann wurde das aufgerollte Zelt auf die Firststange gelegt und die Seitenteile aufgeschlagen. Ein Mann hielt die zusammengesteckte Firstangenkonstruktion, während ein Mann je Zeltseite das Verspannen der Dachfläche vornahm.
Legionäre beim Aufstellen eines Mannschaftzeltes.

Historische Vorstellung der Römercohorte Legio XX
Matt. Amt,Laurel, Maryland (USA)
Cop. Jane Walker

Das Verspannen der Dachflächen erfolgt mit Diagonalzügen um auf eine zusätzliche Spannleine an der Rückseite und im Eingangsbereich zu verzichten.
Eine Zeltdachverspannung

Ausschnitt aus einer aufgestellten Zeltreihe der Römercohorte Opladen
2007 Römertage in Haltern.

Für den gesamten Aufbau mit 4 Personen waren 8 bis 10 Min erforderlich. Für den Abbau, verpacken und beladen des Tragtieres genügten 2 Personen. Der Vorgang war aufwändiger und erforderte die doppelte Zeit.

8.1.2.3 Vorgehensweise beim Abbau des Lederzeltes

Die vordere und hintere Frontflächen wurden geöffnet, um sie später auf die ausgebreitete Dachfläche zu legen. Dann begann das Lösen der Dachflächenverspannung und und die Herausnahme der Friststangenkonstruktion. Das auf dem Boden liegende Zelt wurde jetzt faltenfrei mit den darauf liegenden vier Frontflächen ausgelegt.
Erste Phase
Zusammenlegen des glatt ausgelegte Lederzeltes
Grafik: Heinz Birkenheuer

In der zweiten Phase wird das glatt ausgelegte Zelt halbierend aufeinander gelegt, so dass die Frontteile jetzt verdeckt sind. In der dritte Phase wird das Lederpaket nochmals halbiert, so dass jetzt vier Lederbahnen aufeinander liegen.
Zweite und dritte Phase
Erneutes Zusammenfalten des Lederzeltes auf eine Breite von ca. 3 römische Fuß
Grafik: Heinz Birkenheuer
Bei dieser Faltmethode kann die jeweilige Oberseite vor einem erneuten Aufeinanderlegen gereinigt werden. In der vierten und letzten Phase wird das schmale Lederpaket aufgerollt und in den Packsack verstaut.