Text und Grafik : H. Birkenheuer


3. Die Wahl des Standortes
- Sicherheitsaspekte und Vorkehrungen wegen mögliche Übergriffe -

Der gewählte Lagerplatz verfügte an drei Seiten über natürliche Hindernisse. Der vorbeifließende Rheinstrom auf der nord-östlichen, das Sumpfgebiet an der westlichen und die Erft an der südlichen Seite boten eine Sicherheit vor überraschenden Angriffen. Somit benötigte man zu Anfang nur einen Schutz auf der offenen süd-westlichen Seite. Die vollständige Umschließung des neuen Lagerareals hatte daher oberste Priorität. Mit der Fertigstellung verfügte der neue Lagerplatz über ausreichenden Schutz für die stationierten römischen Einheiten.

Für die Rekonstruktion einer möglichen Lagerumwehrung des ersten Neusser Feldlagers ist von Bedeutung, dass bei Lagerumwehrungen an Flußläufen ein bewährtes Anlageschema wiederholt übernommen wurde. Wenn man die Konturen der später errichteten Feldlager in die Überlegungen einbezieht und die Formen der beiden Lager Anreppen und Beckinghausen an der Lippe genauer betrachtet, so ergibt für Neuss möglicherweise eine polygone Form der ersten Lagerumwehrung. Der nicht erfasste Teil des Lagers könnte bis an das westlich gelegene Sumpfgelände gereicht haben.

Ergänzte Lagerform des Standlagers - 1 -

Mögliche Größe 650 mal 280 Meter gleich 13,5 ha


Lagerform des Standlagers Anreppen

Abb. 3 Die Vergleiche der beiden Lagerformen von Anreppen und Novaesium

Der vorbeifließende Rheinstrom mit einer natürlichen Ausbuchtung war auch für die Standortplanung von ausschlaggebender Bedeutung. Somit war sichergestellt, dass von der Wasserseite aus Nachschub, eine eventuelle Flucht oder ein Ausfall möglich waren. Ein ähnliches strukturiertes römisches Feldlager gab es in Anreppen an der Lippe aus der Zeit der Germanenoffensive.