Text und Grafik: H. Birkenheuer

8.2   Herstellung der Lederzelte

8.2.1 Das Vernähen der Lederzelte

Um eine möglichst große Wasserdichtigkeit zu gewährleisten, wurden römische Militärzelte mit besonderen Nähten hergestellt. Bei fachgerechten Verbindungsnähten konnte kein Wasser ins Innere der Zelte gelangen. Es gab unterschiedliche Naht-Systeme um Dachflächen, Seitenteile, Eckverbindungen und Zuglaschen zu verbinden.

8.2.1.1 Verschiedene Naht-Ausführungen

Die durch Regen am meisten anfälligen Dachflächen durften keine Durchstiche haben und mussten einer Zugbelastung standhalten. Deshalb wurden die Dachflächenstücke mit Tunnelstichnähten verbunden. Für das Vernähen der Seiten- und Giebelstücke waren weniger aufwendige Zweinadelstich-Nähte erforderlich. Bei einfachen Saumkanten genügte eine einfache Stichreihe.

A - Verschiedene Nadelstichreihen

Bei der Zweinadelstich-Reihe werden zwei Fäden vernäht. Diese Stichreihe hat den Vorteil, dass bei Beschädigung eines Fadens die Verbindung hält. Bei einer Steppnaht-Verbindung löst die Verbindung, wenn der Nähfaden unterbrochen wird. Bei der Tunnelstich-Reihe darf die außenliegende Fläche nicht durchstochen werden. Mit einer gebogenen Nadel muß der Verbindungsfaden durch Innenseite ( Fleischseite ) geführt werden, ohne die Außenhaut zu beschädigen.

Zweinadel-Stichreihe

Anwendung für höhere dauerhafte Verbindungen
Grafik: Heinz Birkenheuer

Steppstich

Eine Nahtreihe für höhere Belastung
Grafik: Heinz Birkenheuer

Tunnelstich-Reihe

Anwendung bei wassergeschützten Nähten
Grafik: Heinz Birkenheuer

Eine einfache umgelegte Saumkanten wurde weniger strapaziert, deshalb genügte für das Anheften eine einfache Stichreihe.

Einfache Stichreihe

Anwendung für einfache Saumnähte
Grafik: Heinz Birkenheuer

B - Die unterschiedlichen Verbindungen

Dachflächen-Verbindungen

Das Vernähen von Dachflächen erfordert größte Sorgfalt, denn es durften keine Durchstiche entstehen. Die Verbindungen mußten wasserundurchlässig sein und höheren Zugbelastungen standhalten. Eine erprobte Methode für eine solche Naht hat sich nach folgendem Schema bewährt.

Erste Phase

Beide zu verbindenden Lederstücken werden mit der Hautseite aufeinandergelegt und mit einer Zweinadelstich-oder mit einer Steppnaht-Reihe zusammengenäht. Wobei zu beachten ist, dass vor der Naht noch ein Verlängrungsstreifen bleibt.

1. Phase

Aufeinander liegenden Lederbahnen
Grafik: Heinz Birkenheuer

2. Phase

Umgeklappte Seite mit Verländerungsstreifen vernäht
Grafik: Heinz Birkenheuer

Zweite Phase

Nach Abschluss der ersten Nähphase wird das äußere Lederteil aufgeklappt. Um die Zugbelastung auf die Außenbahnen zu minimieren wird der überstehende Streifen mit einer zusätzlichen Tunnelstich-Reihe am zweiten Lederteil fixiert. Wenn die Dachnaht nach dieser Methode ausgeführt wurde, sind keine durchstoßenden Löcher in der Außenhaut und das Regenwasser läuft ab ohne durch die Verbindungsstelle einzudringen.

Hinweis!
Die Lederbahnen sind so zu wählen, dass auf der Firststange keine Nähte liegen.
B.2 - Verbindungen der Seitenteile

Giebel-und Seitenflächen sind nicht so anfällig für einen Wassereinbruch wie die schrägen Dachflächen. Für eine Seitennaht unter der Regenklappe reicht eine Verbindung mit einer Doppelstich-Reihe, die bei Bedarf durch eine zusätzliche einfache Nadelstich-Reihe ergänzt werden kann. Für eine ungeschützte und strapazierte Seitenverbindung werden die beiden Lederbahnen mit einer Doppelstich-Reihen und einem zusätzlichen Abdeckstreifen zusammen vernäht.

Einfache Seiten Naht

Mit Doppelstich-Reihe vernäht
Grafik: Heinz Birkenheuer

Einfache Seiten Naht

Mit zusätzlicher Nadelstich-Reihe
Grafik: Heinz Birkenheuer

Verstärkte Seitennaht

Grafik: Heinz Birkenheuer

B.3 - Verschiedene Eckverbindungen

Bei Eckverbindung gibt es eine einfache und eine aufwendige Ausführung. Für kurze und unbelastete Eckverbindungen reicht eine einfache Verbindung mit einer Zweinadelstich-Reihe. Diese Verbindung hat Ähnlichkeit mit einer Seitenwandverbindung, ist jedoch für eine anfallende Zugbeanspruchung weniger geeignet.
Für eine beanspruchte Eckverbindung hat ein zusätzlicher Entlastungstreifen den Vorteil, dass die Naht resistent ist gegen auseinander ziehen. Mit einer Zweinadelstich-Reihe werden die Seitenteile und der Entlastungsstreifen zusammen vernäht.

Einfache Eckverbindung

Mit Zweinadelstich-Reihe vernäht
Grafik: Heinz Birkenheuer

Verstärkte Eckverbindung

Vier Lederbahnen zusammen mit einer Zweinadelstich-Reihe vernäht
Grafik: Heinz Birkenheuer

B.4 - Regenklappen und Zuglaschen

Für das Verspannen der Dachflächen muß die Zugbelastung mehrfach verteilt werden. Diese sollte direkt unterhalb der Regenklappe angreifen. Die Zugseile wurden entwender an Schlaufen oder direkt durch Löcher unterhalb der Regenklappe befestigt. Bei beiden Anwendungen waren an den Angriffsstellen Verstärkungen erforderlich. Ein direkter Abgriff an der Dachoberfläche durfte nicht sein, da eine durchstoßende Naht nicht wasserdicht ist.

B.4.1 - Angesetzte Regenklappe

Die Verbindung einer zusätzlichen Regenklappe zwischen Dachfläche und Seitenteil erfordert eine zusätzliche Zugentlastung, mittels Zusatzstreifen und einer Tunnelstich-Reihe.


1. Phase

Vorbereitung für eine angesetzte Regenklappe
Grafik: Heinz Birkenheuer

2. Phase

Dachfläche mit Zusatzstreifen vernäht
Grafik: Heinz Birkenheuer

B.4.2 - Zuglaschenverbindung

Die Befestigung der Zuglaschen und Spannseile unterhalb der Regenklappe werden an den verstärkten Seitenteilen mit einer Doppelstich-Reihe vernäht. Zu beachten ist, dass die Zuglast direkt unter der Regenklappe angreift. Die Zugseile können auch durch verstärkte Löcher unterhalb der Regenklappe geführt werden.


3. Phase

Angesetzte Schlaufe unterhalb der Regenklappe
Grafik: Heinz Birkenheuer

Eine weitere Möglichkeit

Durchführen eines Spannseiles unterhalb der Regenklappe
Grafik: Heinz Birkenheuer